AG Luftfahrtarchäologie

Mit dem Thema der „Luftfahrtarchäologie“ beschäftigt sich das Luftfahrtmuseum Finowfurt seit 20 Jahren. Im heutigen Arbeitsbereich des Museums, dem Gebiet nordöstlich von Berlin, zwischen Havel und Oder, mit den Schwerpunktbereichen der Schorfheide und des Oderbruchs tobten vor 70 Jahren schwere Kämpfe auch in der Luft. Das Museum erhielt sehr früh zahlreiche Hinweise auf Absturzstellen von Militärflugzeugen. Heute steht fest das im Untersuchungsgebiet Flugzeugwracks aller kriegsführenden Nationen, außer von den Italienern, zu finden sind und von uns auch gefunden wurden.

Die Arbeiten in diesem Bereich umfassen:

  • das Erfassen von Erstinformationen durch Zeitzeugen oder Dokumenten.
  • das Suchen und Finden der Absturzstelle im Gelände.
  • die Bergung in Verbindung mit den Munitionsbergungsdiensten und der Kriegsgräberfürsorge.
  • die Aufklärung der Absturzursachen und des Schicksals der Besatzungen.
  • die Veröffentlichung der Ergebnisse im Museum, den Medien und ggf. die Benachrichtigung der Angehörigen im In- u. Ausland.

Dieser Ablauf wurde bisher an neun Absturzstellen eingehalten und umgesetzt. Die Ergebnisse dieser Arbeit können in speziellen Ausstellungen des Museums betrachtet werden. Dabei werden die Reste ehemaliger amerikanischer Boeing B-17, britischer Avro Lancaster, sowjetischer IL-2 und deutscher Flugzeuge FW-190 und Me110 jeweils gesondert ausgestellt. Seit fünf Jahren arbeitet eine Arbeitsgruppe des Museums unter der Bezeichnung „Luftfahrtarchäologie Oderland, L.A.O“ an diesen und weiteren Projekten.

Diese sehr aufwendige Arbeit wird ausschließlich ehrenamtlich ausgeführt und findet im In- u. Ausland hohe Anerkennung.Bei Führungen werden die menschlichen Schicksale sehr konkret und detailliert dargestellt.

Inzwischen werden nicht nur die Abstürze in der Zeit bis 1945 untersucht, sondern auch das Absturzgeschehen während des sogenannten „Kalten Krieges“ von 1945 bis 1993. Auch hier liegen viele Ursachen und Schicksale der Betroffenen bis heute im Dunkeln. Die Aufklärung ist durch die umfangreiche Geheimhaltung bei der „Roten Armee“ auf deutschem Boden noch schwieriger aber nicht weniger notwendig. Am Beispiel des Absturzes einer Jak-28P am 06.04.1966 in Berlin/West wird deutlich, welche Spannungen und Gefährdungen damals herrschten.

Nach Durchsicht der letzten Fassung einer Übersicht aller Militärmuseen in Deutschland wird deutlich, das das Luftfahrtmuseum Finowfurt auf diesem Teilgebiet der Luftfahrtgeschichte offensichtlich ein Alleinstellungsmerkmal besitzt.

Es wird von uns genutzt um auch heute noch Schicksale vermißter Piloten aufzuklären und die Familien zu informieren. Vor allem aber werden die Ergebnisse der Arbeit genutzt den nachfolgenden Generationen drastisch vor Augen zu führen, wohin Kriege führen.